Das Bild christlicher Themenkomplexe wird durchgehend von überholten Assoziationen geprägt. Die optische Aufbereitung christlicher Inhalte orientiert sich am grundkonservativen Stil vergangener Jahre. Dabei wird vergessen, dass sich unsere Wahrnehmung – vor allem die junger Erwachsener - hinsichtlich ästhetischer Mittel grundlegend verändert. Die Identifikation mit Inhalten über eine visuelle Sprache kann nicht stattfinden, da eine zielgruppenadäquate Ansprache nur selten angedeutet wird. Hinzu kommt, dass die Bibel als Grundlage aller christlichen Gesellschaftsformen und Wertesystemen für Christen wie auch Nicht-Christen durch die unüberschaubare Menge an Text und dem geringen Anteil visueller Entsprechungen nur schwer zugänglich ist.
Die Diplomarbeit gründet dabei auf der Idee, Aspekte des christlich-humanistischen Wertesystems und deren Bezug zum Alltag über eine interaktive Wandinstallation auf zeitgenössische, grundsätzlich visuelle, multimediale Art und Weise darzustellen.
Die Wandinstallation besteht aus einem Mural, welches sich stilistisch auf Street Art-Elemente stützt und mit analogen Techniken auf eine Wand aufgebracht wird. Street Art ist als Kommunikationsform der Jugendkultur bekannt und ist als Symbol subversiver Meinungsdarstellung im urbanen Kontext zentrales Mittel der gestalterischen Auseinandersetzung. Die Stadt als Heimat homogenisierter Denkweisen stellt den visuellen und konzeptionellen Bezug zur Arbeit her und greift auf Problematiken der informationsgesättigten, durchrationalisierten und funktional geprägten Gesellschaft zurück.
Die gestalterische Umsetzung fußt auf den immer wiederkehrenden Mix aus digitaler und analoger Bearbeitung: Es wird gesprüht, kopiert und gezeichnet, dann gescannt, bearbeitet und wiederum ausgedruckt. So werden ähnlich des Palimpsestierens immer mehr Ebenen hinzugefügt, überlagert und teilweise zerstört. Dabei wird die Analogie zur multiplen Überarbeitung christlicher Texte gestalterisch aufgenommen und stilistisch interpretiert.
Das Mural wird durch drei interaktive Touchscreens ergänzt. Aspekte gesellschaftlicher Grundkomponenten, wie Identität, Gemeinschaft und Verantwortung, werden multimedial transportiert und provozieren die Intervention des Betrachters: Das Interaktionskonzept verdeutlicht Werte sowie grundsätzliche Problemstellungen, integriert den User in die Wertesystemik und fördert das Handeln wollen.
Der Charakter einer Installation ermöglicht dabei das Teilwerden des Betrachters und die mehrkanalige Vermittlung der Inhalte. Ziel des Projekts ist es, das Verständnis christlicher Werte als Beginn zu definieren und nicht als Ziel. Auf modernem Wege sollen relevante Grundwerte vermittelt und eine Auseinandersetzung mit der Herkunft und dem Thema an sich gefördert werden.